Thilo Sarrazin im Wortlaut

Fast all jene Kritiker, welche die Überlegungen Thilo Sarrazins zur Integrationskatastrophe, vorgelegt in seinem Buch «Deutschland schafft sich ab», pauschal als «völlig daneben», als «wenig hilfreich», als «skandalös» oder gar als «rassistisch» abtun, hüten sich auffällig davor, sich auch bloss ansatzweise mit tatsächlichen Aussagen des aus allen Rohren Beschossenen je zu befassen.

Kinder-Vernachlässigung
«In Berlin sind 33 Prozent der Schulanfänger nichtdeutscher Herkunft. Das entspricht in etwa den bundesdeutschen Verhältnissen. Allerdings verteilt sich dieses Drittel sehr unterschiedlich. Im Bezirk Mitte sind nur noch 34 Prozent der Schulanfänger deutscher Herkunft, in Neukölln sind es 48 Prozent, Thilo Sarrazinin Pankow dagegen 90 Prozent. Da die Berliner Migranten überwiegend der Unterschicht angehören, ist kaum verwunderlich, dass die Schulanfänger aus diesen Gruppen die typischen Unterschichtdefizite aufweisen.

Es fällt auf, dass keiner der aufgeführten Mängel in irgend einer Weise von der materiellen Versorgung abhängig ist. Da die Grundgesamtheit der Einschüler des Landes Berlin erfasst wurde, können die erhobenen Daten wohl auch auf vergleichbare soziale Schichten in Gesamtdeutschland übertragen werden.

Die beobachteten Verhaltensdefizite der unteren Schicht stehen zwar mit deren materiellem Status in engem Zusammenhang, können aber aus diesem kausal nicht erklärt werden. Auch eine Familie, die über einen langen Zeitraum vom Arbeitslosengeld II lebt, kann darauf achten, dass die Kinder sich die Zähne regelmässig putzen und nicht unbeaufsichtigt fernsehen, dass regelmässig gekocht wird und man sich gesund und ausgewogen ernährt, dass die Kinder im Park oder auf dem Bolzplatz spielen und sich ausreichend bewegen. Mit Büchern kann man sich in der Leihbücherei eindecken und den Kindern regelmäßig vorlesen. Es gibt also keine materiellen Gründe, die es Empfängern von Arbeitslosengeld unmöglich machen, bei den untersuchten Merkmalen die Kennziffern der oberen sozialen Schicht zu erreichen.» (S. 77-79)

Sozialempfänger
«Je grösser die Bedarfsgemeinschaft, desto höher ist der Betrag der monatlichen Grundsicherung. Ein Ehepaar mit zwei Kindern erhält 1710 Euro im Monat. Ein sozialversicherungspflichtiger Alleinverdiener müsste schon 2500 Euro brutto verdienen, um diese Summe zur Verfügung zu haben. Bei vier Kindern müsste er brutto 3500 Euro erreichen, um auf die Grundsicherung von 2300 Euro zukommen. Mit jedem Kind erhöht sich die Grundsicherung um 322 Euro. Über die Ausgaben muss keine Rechenschaft abgelegt werden. Nahrungsmittel gibt es mittlerweile vielfach umsonst bei den verschiedenen Tafeln, und gebrauchte Kinderkleidung wird kostenfrei oder zumindest sehr günstig angeboten. Eine Bedarfsgemeinschaft aus zwei Erwachsenen und vier Kindern kann auf diese Weise die Grundsicherung erheblich aufstocken. Es liegt eine gewisse ökonomische Logik darin, dass der Anteil der Kinder aus Haushalten von Transferempfängern (Transferempfänger sind Sozialhilfe-Bezüger, Red.) etwa doppelt so hoch ist wie der Anteil der Transferempfänger selbst. In Berlin stammen mittlerweile 35 Prozent der Schulkinder aus Haushalten von Transferempfängern, in Bremen sind es 30 Prozent, in Hamburg 25 Prozent und im Bundesdurchschnitt 16 Prozent.

Nicht Kinder produzieren Armut, sondern Transferempfänger produzieren Kinder. Die Statistik scheint das zu belegen, denn in Deutschland bekommen diejenigen, die von sozialer Unterstützung leben, deutlich mehr Kinder als der vergleichbare Rest der Bevölkerung. Damit wächst in unserem Bildungssystem der Anteil der Kinder aus bildungsfernen Unterschichtfamilien kontinuierlich. Nach Abschluss einer meist wenig erfolgreichen Schullaufbahn schlagen die wenig qualifizierten Kinder grossenteils den Weg ihrer Eltern ein und bekommen wieder überdurchschnittlich viele Kinder. Systematische Unterschiede in der Fruchtbarkeit verschiedener Gruppen bedeuten in wenigen Generationen eine radikale Verschiebung der Bevölkerungsverhältnisse. Deshalb wird das unterschiedliche generative Verhalten von Unterschicht und Rest der Bevölkerung auf Dauer unsere Gesellschaft verändern – es sei denn, es tritt ein grundsätzlicher Wandel ein.

Die Grundsicherung beeinflusst also die Sozialisation und das generative Verhalten der Unterschicht. Sie bestimmt aber auch wesentlich das Migrationsgeschehen und die Integrationsbereitschaft der Migranten. Ohne die deutsche Grundsicherung wäre ein grösserer Teil der Migranten aus der Türkei, aus Afrika und Nahost niemals gekommen, denn Arbeitsmarktgründe für die Einwanderung gibt es schon seit 35 Jahren nicht mehr.» (S. 149/150)

Einwanderung
«Niemand muss arbeiten, um in Deutschland 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zu erzielen, dafür sorgt die staatliche Grundsicherung. Das hat Folgen. So ist es rein unter dem Aspekt der Einkommenserzielung nicht rational, seine Arbeitskraft anzubieten und tatsächlich zu arbeiten, solange man damit nur ein Einkommen erzielen kann, das lediglich in der Nähe oder gar unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Menschen mit niedriger Produktivität werden deshalb als Nachfrager am Arbeitsmarkt gar nicht in Erscheinung treten, auch wenn sie dem Arbeitsmarkt rein formal zur Verfügung stehen. Und diejenigen, die sich Verdienstmöglichkeiten am informellen Arbeitsmarkt ausrechnen, etwa als gelegentliche Aushilfen oder bei häuslichen Diensten, werden ebenfalls nicht als Nachfrager am regulären Arbeitsmarkt auftreten, solange sie dort kein Nettoeinkommen erzielen können, das fühlbar über 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt.

Migranten aus dem Nahen Osten oder der Türkei haben das grosse Los schon gezogen, wenn sie es ins deutsche System der Grundsicherung schaffen, denn dann verfügen sie – ohne dass ihnen eine Arbeits- oder nennenswerte Integrationsleistung abgefordert wird – über ein Einkommen, das sie in ihrer Heimat schon zu wohlhabenden Bürgern machen würde. Ohne Arbeit verdienen sie in Deutschland zumeist wesentlich mehr als in ihrer Heimat mit sehr harter Arbeit – wenn sie dort überhaupt welche fänden. Auch diese Gruppe tritt auf dem Arbeitsmarkt nicht in Erscheinung.

Auf der anderen Seite bemühen sich die Anbieter von Arbeit, also Unternehmen, Behörden und andere Organisationen, ihre Arbeitsabläufe so zu organisieren, dass sie Menschen mit niedriger Arbeitsproduktivität möglichst gar nicht brauchen, weil diese bei Löhnen auf dem Niveau von mindestens 60 Prozent oder mehr des mittleren Einkommens zu teuer sind. Die Grundsicherung wirkt am Arbeitsmarkt also wie ein impliziter Mindestlohn, ohne dass man diesen extra festlegen müsste.» (S. 166/167)

Jugendgewalt
«Der Leistungsstand von Schülern mit Migrationshintergrund Türkei korrespondiert mit dem Leistungsstand von Schülern aus anderen muslimischen Ländern, dies zeigt der internationale Vergleich der Pisa-Ergebnisse. Im Kern ist das deutsche Bildungsproblem vor allem auch ein Problem der muslimischen Migranten. Wenn hier von Migranten gesprochen wird, sind ausschliesslich Migranten aus den muslimischen Ländern gemeint (Türkei, Afrika, Naher und Mittlerer Osten). Sie haben als Einzige zugrossen Teilen Sprachprobleme, sie bilden zugleich einen wesentlichen Teil der Unterschicht und Transferbevölkerung in Deutschland, und ihre Kinder haben die grössten Schwierigkeiten im deutschen Bildungssystem.

Bildungsverläufe hängen in starkem Masse von der Familie ab, in der man aufwächst. Muslimische Migranten entstammen meist bildungsfernen Familien, die in ihren Heimatländern durchweg den Unterschichten angehörten. Insoweit ist ein Teil dessen, was in der Bildungspolitik als Integrationsproblem wahrgenommen wird, tatsächlich ein Schichtenproblem. Erschwerend kommt hinzu, dass die Qualität des heimatlichen Schulsystems sich in der Attitüde und dem schulischen Leistungsprofil der entsprechenden Migrantengruppen niederschlägt. Zwischen den schlechten Schulleistungen türkischer Migranten in Deutschland und dem schlechten Abschneiden des türkischen Schulsystems bei Pisa 2006 besteht durchaus ein Zusammenhang. Nicht zuletzt aus diesem schlechten Abschneiden erwächst das aggressive Potential zahlreicher junger Türken und Araber. Aggression und Gewalt sind oft der einzige Ausweg aus dem Dilemma, dass die betont männliche Rolle, die ihnen die Geschlechterstereotype ihrer Herkunft auferlegen, nicht zur Attitüde des lernbereiten Schülers passt. Gleichzeitig ist diese Rolle aber auch nicht kompatibel mit den sich aus der fehlenden Lernbereitschaft ergebenden Misserfolgen in Schule und Arbeitsleben.

Für die Migranten aus den muslimischen Ländern sind die elektronischen Medien ein besonderes Integrations- und Bildungshemmnis. In vielen Familien laufen die Sendungen aus der fernen Heimat fast ununterbrochen. Dadurch wird es schwer, zur Herkunftskultur jenes Mass an Distanz aufzubauen, das für die Integration unerlässlich ist. Vor allem aber schwindet der Anreiz, Deutsch zu lernen. In geschlossenen Siedlungen, wo man mittels Satellitenschüsseln rund um die Uhr jedes Fernsehprogramm aus der Heimat empfangen kann, besteht ja im Grunde gar keine Notwendigkeit, neben der Muttersprache auch noch die Amtssprache zu beherrschen. Die Töchter brauchen nicht zu lernen, weil sie heiraten und Kinder bekommen sollen, und den Söhnen wird in autoritären Strukturen ein Männlichkeitsbild vorgegeben, das sich für entbehrungsreiches Lernen genauso nachteilig auswirkt wie die männlichkeitsbetonte Gettokultur der Schwarzen in Amerika.

Die besonderen Kompetenz- und Bildungsbeteiligungsdefizite der muslimischen Migranten werden teilweise mit dem niedrigen sozioökonomischen Status in ihren Heimatländern erklärt. Die geistige Anregungsarmut, die auch das häusliche Umfeld der deutschen Unterschicht belastet, wirkt in ähnlicher Form bei den muslimischen Migranten. Auch das Rezept zur Überwindung dieser Probleme ist ein ähnliches: Sie müssen im staatlichen Bildungssystem kompensiert werden. Dies fällt bei Migranten generell schwerer, weil das Sprachproblem und die kulturellen Unterschiede hinzukommen. Diese Schwierigkeiten können sich bis zur Fast-Unmöglichkeit steigern, wenn Migranten eng zusammenleben und an den Schulen 80 bis 90 Prozent der Schüler stellen. Auch hier allerdings ist der Weg der gleiche wie oben beschrieben, nur, dass zu den Kernkompetenzen in Leseverständnis und mathematischem Verständnis der deutsche Spracherwerb hinzutreten muss. Deshalb kann und darf, so schwer es auch fallen mag, der Schulunterricht nur auf Deutsch erfolgen. Gerade bei den Migranten muss die vorschulische Erziehung zu möglichst guten Deutschkenntnissen bei Schuleintritt führen.

Wenn klassische Einwanderungsländer wie etwa Kanada wesentlich bessere Bildungserfolge bei Migranten erzielen, liegt das vor allem daran, dass die dortigen Migranten von ihrer Heimat Abschied genommen haben und alles tun, damit sie und ihre Kinder in der neuen Umgebung ankommen. Ihre Anpassungsbereitsschaft ist generell höher und ebenso ihr Wille zum Spracherwerb – eine Einstellung, die auch auf die Kinder übertragen wird.» (S. 235-237)

Muslim-Einwanderung
«Das westliche Abendland sieht sich durch die muslimische Immigration und den wachsenden Einfluss islamistischer Glaubensrichtungen mit autoritären, vormodernen, auch antidemokratischen Tendenzen konfrontiert, die nicht nur das eigene Selbstverständnis herausfordern, sondern auch eine direkte Bedrohung unseres Lebensstils darstellen.

Deutlich wurde dies erstmals, als Ajatollah Chomeini eine Fatwa gegen den indisch-britischen Autor Salman Rushdie aussprach, weil dieser sich ein paar dichterische Freiheiten erlaubt hatte. Wegen einiger Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung gab es dann 2005 weltweit islamische Demonstrationen und Gewalttätigkeiten mit 150 Toten. Der Zeichner Kurt Westergaard, Jahrgang 1935, lebt seither in wechselnden Wohnungen unter Polizeischutz und entging in den Weihnachtstagen 2009 nur knapp dem Mordversuch eines jungen Somaliers mit Aufenthaltserlaubnis in Dänemark. Dänische Milchprodukte werden in islamischen Ländern wegen der Mohammed-Karikaturen boykottiert. Millionen Frauen in unserer Mitte werden durch den sozialen Druck ihrer Religion und Kultur zur Beachtung von Kleidervorschriften gezwungen, die sie als selbstständige Individuen herabwürdigen, und von ihren Familien an ihrer beruflichen und persönlichen Entfaltung gehindert.

Das alles haben wir eigentlich gar nicht nötig. Wirtschaftlich brauchen wir die muslimische Migration in Europa nicht. In jedem Land kosten die muslimischen Migranten aufgrund ihrer niedrigen Erwerbsbeteiligung und hohen Inanspruchnahme von Sozialleistungen die Staatskasse mehr, als sie an wirtschaftlichem Mehrwert einbringen. Kulturell und zivilisatorisch bedeuten die Gesellschaftsbilder und Wertvorstellungen, die sie vertreten, einen Rückschritt. Demografisch stellt die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar.

Wer dies deutlich ausspricht, sieht sich Anfeindungen ausgesetzt, unter denen der Vorwurf der „Islamophobie“ noch der geringste ist. Zwar scheint in der deutschen Politik das Bewusstsein zu wachsen, dass dem Islam problematische Kräfte innewohnen, aber man scheut das Thema weiterhin. „Der Islam ist uns willkommen, der Islamismus nicht“, sagte Bundesinnenminister de Maizière in seiner ersten Parlamentsrede nach Amtsantritt. Er sollte sich einmal mit dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan unterhalten, der 2008 erklärte: „Es gibt keinen Islam und Islamismus. Es gibt nureinen Islam. Wer etwas anderes sagt, beleidigt den Islam.» (S. 266/267)

Integration
«Fadi Saad machte eine Gewaltkarriere als Mitglied einer Strassengang, bis er selbst von einer Gang zusammengeschlagen und schwer verletzt wurde. Das führte zu seiner Läuterung. Heute ist er Sozialarbeiter in Berlin-Neukölln. Am meisten am Herzen liegen ihm die „Deuraber“, die in Deutschland geborenen arabischen Flüchtlinge. „Mit Kuschelpädagogik kommt man bei diesen abgebrühten Jungs nicht weiter“, sagt er. Ein Zwölfjähriger, der gewalttätig werde, müsse sofort bestraft werden. Es reiche nicht aus, ihn erst Monate später zu sozialer Arbeit zu verdonnern. „Der geht raus und schlägt den Nächsten zusammen.“ Mit Integrationsgerede kann Fadi Saad nicht viel anfangen: „Integrieren heisst eingliedern. Aber worin? Und wen soll ich integrieren? Ich kenne genügend Deutsche, die kein Deutsch sprechen. Soll ich die etwa auch integrieren?“ Fadi Saad erzählt von seiner ersten Reise in den Libanon, davon, dass die Jungs dort vor Beginn des Unterrichts ihre Fingernägel vorzeigen müssen und keiner auch nur im Traum auf die Idee käme, seine Kumpels mit „Hurensohn“ zu begrüssen.

In Berlin werden 20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1000 türkischen und arabischen jugendlichen Tätern begangen, eine Bevölkerungsgruppe, die 0,3 Promille der gesamten Berliner Bevölkerung stellt. Aber im Integrationsbericht der Bundesregierung wird deren Kriminalität relativiert. Es heisst dort: „Zumindest für die Gruppe junger Menschen gehen Kriminologen davon aus, dass bei einem Vergleich der Gruppe mit gleichen familiären, schulischen und sozialen Rahmenbedingen sowie übereinstimmenden Werteorientierungen eine höhere Belastung von Nichtdeutschen letztlich nicht mehr feststellbar“ sei. Bei diesem Geschwurbel wird offenbar empirische Wissenschaft mit politischer Theologie verwechselt. Wem ist eigentlich geholfen, wenn man offenkundige Tatsachen unterdrückt, die selbst die einsichtigen Betroffenen nicht leugnen. Sicherlich weder der Wahrheit noch der klaren Analyse, noch der Integration.» (S.297) S.